Stadt oder Land was ist mit dem Auto teuerer

Wie ich in meinem letzten Artikel beschrieben habe, wird es für Menschen die ausserhalb der Stadt auf dem Land wohnen immer schwieriger.
Endlich hat sich auch daserst auf dieses Thema eingelassen und einen Beitrag dazu gesendet.

Stadt oder Land?
Kostenfalle Auto

Zwei junge Familien, zwei Lebensmodelle: Stadtleben und Landleben. Wer lebt günstiger – und das trotz steigender Spritpreise? Familie Molcik ist vor zwei Monaten nach Frankfurt gezogen, nah an ihre Arbeitsplätze. Claudia Molcik erzählt: „Ich hab jetzt statt 20 nur 1,2 km zur Arbeit. Das macht es insgesamt sehr viel einfacher.“

Ihr Ehemann Mark Molcik erzählt, wie sie ihren Wohnort gefunden haben: „Wir haben um unsere Arbeitsplätze einen Radius gezogen, und geschaut, wo ist der Weg zur Arbeit für uns beide am kürzesten.“ Mark Molcik fährt acht km zur Arbeit.

So ein 130 m² Reihenendhaus mit Garten kostet hier am Stadtrand von Frankfurt rund 360.000 Euro. 30 km weiter draußen, auf dem Land, kostet es nur 260.000 Euro. Hier wohnt Familie Leitsch, in der 12.000-Einwohner Gemeinde Erlensee: weit entfernt von ihren Arbeitsplätzen. Dalia Leitsch erklärt, was ihr „draußen“ so gut gefällt: „Ich hab mir früher immer so gedacht. Ach, Kinder und ein Häuschen mit Garten. Und hier, denke ich, haben wir es ideal getroffen. In einer Spielstraße, die Kinder können einfach raus spielen, auch wenn sie älter sind. Also für Familien ist das hier ideal.“ Ihr Mann Heiko Leitsch ist kritischer: „Jetzt im Nachhinein muss man natürlich sagen, jetzt werden die Spritkosten einen Teil dazu beitragen, diese Entscheidung noch mal zu überdenken.“

Teurer Sprit verdirbt die Freude am Landleben…
Heiko Leitsch fährt 30 km zur Arbeit. Aber ist das Leben auf dem Land auch günstiger, wenn man sämtliche Autokosten mit einkalkuliert? Plusminus rechnet mit Hilfe des ADAC genau nach. Beispiel Land: Familie Leitsch hat zwei ältere Autos . Damit fahren sie insgesamt 45.000 km im Jahr. Gesamtkosten: 12.870 Euro.
Beispiel Stadt: Auch Familie Molcik hat zwei Autos. Sie sind genau so alt, wie die Fahrzeuge von Familie Leitsch, aber etwas kleiner – eben typisch für Städter. Die Molciks fahren damit nur 20.000 km im Jahr. Gesamtkosten: 6.280 Euro. Weniger als halb so viel wie bei den Leitschs auf dem Land.

…deshalb kehren Menschen zurück in die Städte
Dieser Kostenfaktor wird von den meisten Menschen bei der Wohnortwahl nicht richtig bedacht, erklärt Stadtforscher Prof. Klaus Beckmann. Dabei wird er immer wichtiger. „Heute haben wir demgegenüber gesteigerte Mobilitätskosten, gucken sie nur in die Benzinkosten“, weiß Prof. Klaus Beckmann vom Deutschen Institut für Urbanistik. Die Menschen reflektierten diese Frage jetzt stärker. „Und zwar die, die vor der Entscheidung stehen: gehst Du nach draußen mit Deinem Wohnstandort oder bleibst Du lieber in der Stadt. Und ich denke, insofern sind wir am Anfang solch eines Trends.“ Diesen Trend zurück zur Stadt beobachtet auch die erfahrene Immobilien-Maklerin Monika Jäger, Jäger Immobilien: „Die Kunden, die ich am Anfang meiner Berufstätigkeit hatte, da war die Tendenz eher nach draußen zu ziehen, weg von der City, weit weg, und lieber die Fahrzeit in Kauf zu nehmen. Das hat sich gewandelt.“

Wer lebt günstiger?
Plusminus macht den Kostenvergleich: Lebt Familie Molcik in der Stadt, oder Familie Leitsch auf dem Land günstiger ? In der Stadt kostet das Haus monatlich 1400 Euro, auf dem Land 1000 Euro. In der Stadt kommen die Autokosten auf 523 Euro, auf dem Land auf 1072 Euro. In der Summe ist das Leben auf dem Land mit dem Arbeitsplatz in der Stadt jeden Monat 149 Euro teurer. Familie Molcik aus Frankfurt sieht sich bei der Wohnortwahl bestätigt, der Stadtbewohner Mark Molcik sieht klar: „Es gibt keinen Anreiz mehr weiter weg zu ziehen. Man muss schauen, dass man nah am Arbeitsplatz ist.“

Mark Molcik bekommt keine Pendlerpauschale mehr, denn er fährt weniger als 20 km zur Arbeit. Heiko Leitsch bekommt die Pendlerpauschale noch für 10 km seines 30 km-Arbeitsweges. Und: auf dem Land braucht die Familie zwei Autos. Anders die Molciks in der Stadt. Sie können sogar auf ein Auto verzichten. Und dann ist ihr Lebensmodell auf einen Schlag statt 125 Euro ganze 325 Euro günstiger. Ein klarer Sieg für die Stadt. Das Leben auf dem Land rechnet sich bei steigenden Energiepreisen jeden Tag weniger.

Autor: G e r r i t R u d o l p h

Quelle: http://www.daserste.de/plusminus/

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